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Festtagsgedichte

Traditionelle Weihnachtsgedichte

Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen,Still erleuchtet jedes Haus,Sinnend geh ich durch die Gassen,Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben FrauenBuntes Spielzeug fromm geschmücktTausend Kindlein stehn und schauen,Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den MauernBis hinaus ins freie Feld,Hehres Glänzen, heilges Schauern!Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,Aus des Schnees EinsamkeitSteigts wie wunderbares SingenO du gnadenreiche Zeit!

Joseph von Eichendorff (1788 – 1857)

Wiegenlied

Hier unterm Turmehier wehet kein Wind,hier betet die Mutterund wieget ihr Kind,und hat von der Wiegezur Krippe ein Bandvon Glaube und Hoffnungund Liebe gespannt.Weit über die Meeredie Sehnsucht sie spinnt,dort sitzet Mariaund wieget ihr Kind,die Engel, die Hirten,drei König und Sternund Öchslein und Esleinerkennen den Herrn.Wohl über dem Mondeund Wolken und Windmit Zepter und Kronesteht Jungfrau und Kind.Hier unten ward's Kindleinam Kreuz ausgespannt,dort oben wiegt's Himmelund Erd auf der Hand.Komm mit, lass uns fliegenzu Maria geschwind,kommt mit! und lern biegendein Knie vor dem Kind,komm mit! schnür dein Bündlein,schon führet die HandMaria dem Kindlein,es segnet das Land.

Clemens von Brentano (1778 – 1842)

Vom Christkind

Denkt euch, ich habe das Christkind gesehen!Es kam aus dem Walde, das Mützchen voll Schnee,mit rotgefrorenem Näschen.Die kleinen Hände taten ihm weh,denn es trug einen Sack, der war gar schwer,schleppte und polterte hinter ihm her.Was drin war, möchtet ihr wissen?Ihre Naseweise,ihr Schelmenpack –denkt ihr, er wäre offen der Sack?Zugebunden bis oben hin!Doch war gewiss etwas Schönes drin!Es roch so nach Äpfeln und Nüssen!

Anna Ritter (1865-1921)

Weihnachtszeit

O schöne, herrliche Weihnachtszeit!Was bringst du Lust und Fröhlichkeit!Wenn der heilige Christ in jedem Hausteilt seine lieben Gaben aus.Und ist das Häuschen noch so klein,so kommt der heilige Christ hinein,und alle sind ihm lieb wie die Seinen,die Armen und Reichen, die Grossen und Kleinen.Der heilige Christ an alle denkt,ein jedes wird von ihm beschenkt.Drum lasst uns freuen und dankbar sein!Er denkt auch unser, mein und dein!

Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Die heil'gen Drei Könige

Die heil'gen Drei Könige aus dem Morgenland,sie frugen in jedem Städtchen:"Wo geht der Weg nach Bethlehem,ihr lieben Buben und Mädchen?"Die Jungen und Alten, sie wussten es nicht,die Könige zogen weiter,sie folgten einem goldenen Stern,der leuchtete lieblich und heiter.Der Stern bleibt stehn über Josefs Haus,da sind sie hineingegangen;das Öchslein brüllt, das Kindlein schrie,die heil'gen Drei Könige sangen.

Heinrich Heine (1797-1856)

Knecht Ruprecht

Von drauss' vom Walde komm ich her;Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!Allüberall auf den TannenspitzenSah ich goldene Lichtlein sitzen;Und droben aus dem HimmelstorSah mit grossen Augen das Christkind hervor;Und wie ich so strolcht' durch den finstern Tann,Da rief's mich mit heller Stimme an:"Knecht Ruprecht", rief es, "alter Gesell,Hebe die Beine und spute dich schnell!Die Kerzen fangen zu brennen an,Das Himmelstor ist aufgetan,Alt' und Junge sollen nunVon der Jagd des Lebens einmal ruhn;Und morgen flieg ich hinab zur Erden,Denn es soll wieder Weihnachten werden!"Ich sprach: "O lieber Herre Christ,Meine Reise fast zu Ende ist;Ich soll nur noch in diese Stadt,Wo's eitel gute Kinder hat."– "Hast denn das Säcklein auch bei dir?"Ich sprach: "Das Säcklein, das ist hier:Denn Äpfel, Nuss und MandelkernFressen fromme Kinder gern."– "Hast denn die Rute auch bei dir?"Ich sprach: "Die Rute, die ist hier;Doch für die Kinder nur, die schlechten,Die trifft sie auf den Teil, den rechten."Christkindlein sprach:" So ist es recht;So geh mit Gott, mein treuer Knecht!"Von drauss' vom Walde komm ich her;Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!Nun sprecht, wie ich's hier innen find!Sind's gute Kind, sind's böse Kind?

Theodor Storm (1817-1888)

Text: Volksgut / traditionell

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